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Knallrote Bänke auf der Terrasse unterstreichen den Charakter vom Café Knallhart auf dem Uni-Campus. Foto: Theresa Schulte
Hart aber herzlich

Das Uni-Café Knallhart feiert Geburtstag

Mitten auf dem Campus der Universität Hamburg befindet sich ein kleines Café, das es eigentlich gar nicht gibt: Das Knallhart. Seit 29 Jahren ist der besetzte Raum im Gebäude der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften ein offener Treffpunkt für Studierende aller Fachbereiche. Am Freitag letzter Woche feierte das Knallhart Geburtstag und Wiedereröffnung nach einer Bauphase.

Von Theresa Schulte

Am Freitagmorgen ist auf der steinernen Terrasse vor dem Café Knallhart noch nicht viel los. Ein paar der ehrenamtlichen Mitarbeiter sitzen mit Kaffee und Brötchen in der Sonne. Vor der Geburtstagsfeier am Abend ist nicht mehr viel zu tun. Drinnen empfängt mich Florian (Name von der Red. geändert), er bietet mir einen Kaffee an. Er ist Student an der Universität Hamburg und arbeitet nebenbei ein paar Schichten in der Woche im Knallhart. Unbezahlt – versteht sich.

Das Prinzip Knallhart

Das Café ist selbstverwaltet, die Mitarbeiter ehrenamtlich beschäftigt, Mietzahlungen für den Raum gibt es nur in Form von Nebenkosten, die trägt der AStA (Allgemeiner Studierendenausschuss der Univeristät Hamburg). Als besetzter Raum ist das Knallhart weder Verein noch Gesellschaft oder Firma – kurz: auf dem Papier existiert es überhaupt nicht. Deshalb können die Mitarbeiter des Cafés auch selbstbestimmt handeln und sind keinem Vermieter Rechenschaft schuldig. Das nutzen sie, indem sie das Café zum Raum für alle machen. Im Knallhart ist jeder gleichberechtigt, jeder hat eine Stimme und niemand wird übergangen. „Wir treffen uns jede Woche im Plenum und diskutieren eventuelle Veränderungen und anstehende Veranstaltungen“, sagt Florian. „Wenn jemand dagegen ist, wird das akzeptiert und der Vorschlag verworfen. Wir entscheiden alles basisdemokratisch.“

Die Räumlichkeiten des Cafés sind groß und erinnern an ein überdimensioniertes, etwas unaufgeräumtes Wohnzimmer. Breite Sofas und Couchtische füllen den langgezogenen Raum. Hinter dem Tresen steht ein Kühlschrank mit Wasser und Softdrinks. Ich frage, wie es hier mit Einnahmen für Essen und Getränken geht, wenn das Café geöffnet hat oder eine Veranstaltung stattfindet. „Alles läuft über Spenden. Das haben wir vor einem Jahr umgestellt, davor gab es Festpreise“, erzählt Florian. Keiner soll ausgeschlossen werden, wenn er sich den Kaffee mal nicht leisten kann – so die Intention. Veranstaltungen gibt es einige im Monat, die werden im Plenum vorgeschlagen. Immer wieder fragen Leute von außerhalb an. Erlaubt sind ausschließlich Veranstaltungen mit tieferem Sinn, keine Privatparty, kein eigennütziges Event. Mit Sinn, das bedeutet, „dass die Einnahmen zu Gunsten politischer Gruppen oder gemeinnütziger Zwecke gehen“, sagt Florian. Damit sind zum Beispiel die Initiative „Recht auf Stadt – never mind the papers“ (ehem. Lampedusa), die Kurdische Bewegung oder auch direkte Hilfe für Obdachlose gemeint.

Wir gehen auf die Terrasse. Dort sitzt Lukas (Name von der Red. geändert), der mir mehr über die Hintergründe des Knallharts erzählt. „Es gibt hier keine Hierarchie. Wir haben natürlich Ämter, ich verwalte zum Beispiel das Konto. Irgendwie muss man ja Einnahmen und Ausgaben kontrollieren, aber das stellt mich nicht über die anderen Mitarbeiter. Außerdem versuchen wir, immer fair und nachhaltig zu handeln.“ Dazu gehört auch die Kooperation mit regionalen, kollektiven Betrieben wie Premium Cola, Viva con Aqua oder mit der solidarischen Fairhandelsmarke El Rojito, die den Kaffee liefert.

 

Historisch gesehen

Seit 1987 ist das Café bereits in Studierendenhand. Damals wurde ein ehemaliger Seminarraum im Hauptgebäude der Universität als Streikcafé besetzt. Die Studierenden trafen sich hier, um über die Lage während des Streiks zu diskutieren. Schon damals galten die Grundsätze: antisexistisch, antinational, antifaschistisch, vegetarisch. Seither hat sich nicht viel verändert: Immer noch treffen sich im Knallhart Menschen, die gern offen und ohne Vorurteile diskutieren und Dinge kritisch hinterfragen, nur eben nicht mehr im Hauptgebäude, sondern in den Räumen der Wirtschaftsfakultät. Alles Gute zum Geburtstag!

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