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Wenn Radfahrer und Autos sich im Weidenstieg begegnen, kann es eng werden. Foto: Alexander Povel
Weidenstieg

Bürgerprotest gegen Straßenumgestaltung

Das Bezirksamt Eimsbüttel will im Zuge der Sielerneuerung an der Bismarckstraße auch die Tornquiststraße und den Weidenstieg umgestalten. Insbesondere die Anwohner sollen in die Planungen miteinbezogen werden. Zum Auftakt des Bürgerdialogs hat sich jedoch gezeigt: Der Widerstand gegen die Veränderungen ist groß.

Von Matthias Berger

Ein lautstarker Bürgerprotest ist die Antwort auf die Pläne des Bezirksamtes, im Zuge der Sielerneuerung unter der Bismarckstraße auch den Weidenstieg und die Tornquiststraße umzugestalten. Zum Auftakt des Bürgerdialogs in der Aula des Gymnasiums Kaiser-Friedrich-Ufer begrüßte Bezirksamtsleiter Torsten Sevecke die Zuhörer mit dem Hinweis, es gehe um eine Baumaßnahme, „die mehr Menschen pro Quadratmeter betrifft als irgendwo sonst in Eimsbüttel“. Entsprechend groß war das Interesse an der ersten Infoveranstaltung. Im weiteren Verlauf soll die von Sevecke als „umfassenden Eingriff in den Straßenraum“ bezeichnete Maßnahme mit den Anwohnern abgestimmt werden.

Im Zuge der Tiefbauarbeiten soll das 130 Jahre alte Siel unter der Bismarckstraße erneuert werden. Künftig soll die stinkende Brühe aus den Haushalten über die Abwasser-Autobahn direkt ins Klärwerk transportiert und verhindert werden, dass bei Starkregen das Abwasser in den Isebekkanal überläuft. Die Notwendigkeit dieser Maßnahme ist bei den Bürgern unumstritten.

Vorwurf: Sielarbeiten als trojanisches Pferd

Allerdings wurde beim Auftakt des Bürgerdialogs der Vorwurf laut, das Bezirksamt benutze die Sielerneuerung unter der Bismarckstraße als „trojanisches Pferd“, um nun doch noch seine zehn Jahre alten Pläne zu verwirklichen: Denn bbereits damals gab es Bestrebungen, die Tornquiststraße und den Weidenstieg umzugestalten. Erst nach einem lautstarken Bürgerprotest stoppte die Bezirksversammlung das Vorhaben.

Lautstarker Protest regte sich auch beim Infoabend am Montag. Angesichts der zunehmend aufgeheizten Stimmung sah sich der Abteilungsleiter Straßen und Gewässer genötigt, sich schützend vor seine Mitarbeiter zu stellen und um Verständnis zu werben. Robin Hinz: „Wir sind diejenigen, die versuchen, das Bestmögliche für die Anwohner und Nutzer der Straßen zu realisieren.“ Dabei musste auch Hinz einräumen: „Eine optimale Lösung wird es nicht geben. Die Straßen sind vor 130 Jahren geplant worden, als es noch keine Autos gab.“

Bürgerprotest gegen „Fahrrad-Autobahn“

Dabei war vonseiten der Planer immer wieder die Rede davon, den Straßenraum in dem Bereich zu „optimieren“. „Wir wollen keine Optimierungen. Wir wollen, dass alles so bleibt wie es ist“, entgegnete ein Anwohner. Vor allem gegen den Ausbau der auf der Tornquiststraße und des Weidenstiegs verlaufenden Velo-Route zu einer „Fahrrad-Autobahn“ regt sich großer Widerstand. „Wir haben nicht geplant, eine Fahrrad-Autobahn zu errichten“, betonte Thorsten Rösch vom Fachamt „Management des öffentlichen Raumes“ immer wieder. „Es geht darum, den Verkehrsraum für alle Teilnehmer zu optimieren.“

Dabei gelang es zum Auftakt des Bürgerdialogs nicht, die Befürchtungen der Anwohner zu entkräften. Groß ist vor allem die Sorge davor, die Straßen könnten durch die Umgestaltung ihren Charakter als lebenswerte Wohnstraßen mit gründerzeitlichem Charme verlieren. Was mit dem oft bemühten Begriff der Optimierung gemeint ist, wurde im Verlaufe des Abends deutlich: die Ordnung der Parksituation, die Verbreiterung der Gehwege und eine Veränderung des Straßenbelags zugunsten der Fahrradfahrer.

„Das Kopfsteinpflaster muss weg“

Sevecke sprach davon, den Straßenraum „fahrtauglich“ zu machen. Rösch erinnerte an die Pflicht des Bezirksamts, die als Velo-Route ausgewiesene Fahrradstrecke entsprechend auszubauen und für Barrierefreiheit zu sorgen. Dabei gehe es darum, möglichst direkte Wege zu ermöglichen, „Sichtbeziehungen zu verbessern“ und den Straßenraum „besser passierbar zu machen“.

„Das Kopfsteinpflaster muss weg“, brachte ein Mitglied des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) das auf den Punkt, was sich vom Bezirksamt keiner zu sagen traute. „Denken Sie an die Bewohner der Fruchtallee, die unter Lärm und Abgasen leiden. Wir müssen mehr Menschen dazu bewegen, aufs Rad umzusteigen, um die Belastung durch den Autoverkehr zu reduzieren.“ Für seine Wortmeldung erntete der Mann Buhrufe.

25 Bäume sollen gefällt werden

Insgesamt stellten gleich mehrere Anwohner den Verlauf der Velo-Route, die vom Rathaus durch die Schanze bis nach Eidelstedt führt, infrage. Verbunden mit der Frage, ob nicht eine Verlegung der Route möglich sei. Rösch erwiderte, die Behörde für Wirtschaft und Verkehr habe die Streckenführung festgelegt, daran könne das Bezirksamt nichts ändern.

Ebenfalls für Missfallen sorgte die Tatsache, dass insgesamt 25 Bäume gefällt werden sollen. Allein drei Bäume müssen nach Angaben des Bezirksamts weg, damit der Aldi-Markt an der Ecke Bismarckstraße/Osterstraße während der Baumaßnahme mit dem Lkw beliefert werden kann. „Aldi schließt im Dezember. Dort soll ein fünfgeschossiges Wohnhaus entstehen“, entfuhr es einer Zuhörerin. Das Bezirksamt will nun prüfen, inwiefern diese Pläne Einfluss auf die geplante Fällaktion haben könnte.

Tiefbauarbeiten kosten 14 Millionen Euro

Ein Hinweis einer Anwohnerin, es handele sich in diesem Bereich um Häuser mit einer alten Bausubstanz, entgegnete Carsten Gottschlich von Hamburg Wasser, der für die Sielerneuerung zuständig ist: „Wir haben das auf dem Schirm. Ein Sachverständiger nimmt zur Beweissicherung den Zustand vor der Baumaßnahme auf. Dann kann nach Abschluss der Arbeiten verglichen werden, ob Schäden an den Häusern entstanden sind.“ Zudem sei sich Hamburg Wasser der hohen Anforderungen bewusst, entsprechend teuer sei die Maßnahme. Die Rede ist von 14 Millionen Euro allein für die Sielerneuerung. Dafür werde die Maßnahme „leiser“ als die Dauer-Baustelle am Weidenstieg, versprach Gottschlich.

Bereits im Herbst sollen die vorbereitenden Arbeiten für die Sielerneuerung starten. Die Bäume werden Anfang 2017 gefällt. Bis Ende 2019 soll die gesamte Baumaßnahme abgeschlossen sein.

„Sie gaukeln uns ein Mitbestimmungsrecht vor“

Zunächst sollen die Bürger ab November in „Fokusgruppen“ gemeinsam mit den Planern intensiver an konkreten Fragestellungen arbeiten. „Die erarbeiteten Ideen fließen in die Entwurfsplanung ein“, verspricht das Bezirksamt. Allerdings glauben viele Bürger offenbar nicht daran, dass ihre Meinung einen Einfluss auf die Gestaltung des Bauabschnittes haben wird. „Sie gaukeln uns ein Mitbestimmungsrecht vor. Die Pläne sind doch längst fertig“, schimpfte ein Anwohner unter Applaus. Es haben sich bereits Initiativen gegen die Umgestaltung der Straßen gegründet, entsprechende Unterschriftenlisten liegen in örtlichen Geschäften aus.

Der Ausbau der Velo-Route in der Tornquiststraße soll frühestens im Spätherbst 2017 beginnen. Im Frühjahr 2018 folgt der Weidenstieg und nach Abschluss des ersten Teilabschnittes der Sielarbeiten der südliche Bereich der Bismarckstraße. Der Entwurf für die Neugestaltung der drei Straßen soll im Sommer 2017 vorgestellt werden. Bis dahin gibt es offenbar noch reichlich Gesprächsbedarf.

Bürgerprotest gegen Straßenumgestaltung

Parken im Weidenstieg. Foto: Alex Povel

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